Münchner Gschichten

Reminder: München wählt

Der Wahlkampf scheint eröffnet. Also nicht mit großem Getöse, aber immerhin mit dem Thema, das vielleicht das entscheidende Zugpferd in München grad ist: Wohnungsmarkt. So scheint es jedenfalls. Dazu gab es eine Podiumsdiskussion, in der die OB-Kandidaten dann das wiederholten, was sie im vergangenen Jahr auch schon zu diesem Thema gesagt haben. Zusammengefasst: jeder OB-Kandidat weiß, dass da was von ihm erwartet wird - die Vision fehlt. Aber tatsächlich fiel doch mal der Satz: Umland. Spät, aber immerhin. Und immerhin hielte ich es für eine der größten Herausforderungen, den Dialog mit dem Umland vermehrt zu suchen, damit nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht. Task-Force Großraum München sozusagen.

Aber bis jetzt kocht jeder so auf Sparflamme vor sich hin. Der Reiter Dieter, der meint, das jeder Ude-Wähler auch ein SPDler war und der, damit er als OB kandidieren darf, extra nach München gezogen ist. Dafür wirbt er mit dem Slogan: "Damit München München bleibt" Wirtschaftsreferent ist er bis jetzt und im Zuge der OB-Kanditatur hat er sich die Wiesn unter den Nagel als  gerissen - weil Wiesn bekannt, er bekannt. Klingt logisch, die Startegie ist aber nur bedingt aufgegangen.

Wobei, die anderen sind noch unbekannter. Sabine Nallinger, der Münchner Merkur nennt sie die stille Kandidatin, die Frau, der noch niemand einen eigenen Wikipedia-Eintrag spendiert hat, will München zur grünsten Metropole machen. Und wird sich dafür garantiert noch Schützenhilfe aus ihrer Baden-Württembergischen Heimat holen. Da sollte sie sich auch gleich eine Lektion in Realpolitik geben lassen, weil von 70% Gemeindebau (wie in Wien) für München zu träumen...

Dann gibt's ja noch den Sepp, der sich jetzt wieder Josef nennt, weil Sepp wahrscheinlich zu hinterwälderisch klingt und die CSU ja hier ein Großstadtimage aufbauen möchte. Der Josef Schmid hat ja richtig geackert im vergangenen Jahr: ist mit seinem Bulli durch München gefahren und hat sich mit den Leuten auseinandergesetzt. Hat dann auch gleich plakatiert, dass er zugehört hätte. - Haben nur die wenigsten verstanden, weil die wenigsten das mitbekommen haben. Die Wahlkampfplakate sind allerdings sehr professionell.

Zwei Monate noch. Ich persönlich bleibe dran, ist ja mal wieder spannend - die erste echte OB-Wahl seit langer Zeit in München...


In ist wer drin ist

...oder: Die Geburtstagsreservierung

Der alte Spruch aus Kir Royal stimmt nach wie vor. Das habe ich jetzt gerade feststellen dürfen: Ich bin nämlich weder in noch drin. Nämlich im Lokal meiner Wahl für mein Geburtstagsessen. Das hat nämlich meine Geburtstagsreservierung kurzfristig storniert. Wegen einer exklusiven Veranstaltung. Da bin ich nicht exklusiv genug.

Kurz vor Weihnachten Geburtstag zu haben ist ja eh schon ein Gschiess. Eigentlich hat keiner Zeit für dich, jeder ist mit Weihnachten und dem Jahresabschluss beschäftigt und Essen gehen braucht man auch nicht, weil überall Weihnachtsfeiern sind. Dennoch will man vielleicht auch mal Essen gehen - man hat ja schließlich Geburtstag. Dieses Jahr fiel meine Wahl auf "Das Lokal" in der Georgenstraße. Da waren wir mal im Sommer mit Freunden, schön war's, die Herren haben ein überzogenes Trinkgeld gegeben - aber nicht so schlimm, denn es hatte ja das Potential von uns häufiger besucht zu werden.

Ich hatte mich dann auch gefreut, dass ich rund um Nikolaus feststellte, dass keine Weihnachtsfeier an meinem Geburtstag dort stattfinden würde und habe reserviert.

Was dann passierte...

Hallo Frau Birnstiel,

wir haben für nächsten Freitag, den 20.12. eine große Anfrage für eine
exklusive Veranstaltung.
Jetzt meine Anfrage an Sie haben Sie etwas dagegen Ihre Reservierung zu
stornieren? Sie würden uns damit sehr entgegenkommen.
Gerne lade ich Sie dann beim nächsten Mal auf einen Aperitif aufs Haus ein.
Ich hoffe auf Ihr Verständnis und Entgegenkommen.

Schöne Grüsse
...
DASLOKAL

Sehr geehrter Herr ...,
 
und Sie haben sicherlich Verständnis, dass ich über die freundliche Ausladung Ihrerseits wenig erbaut bin. Ich hatte nämlich eigentlich vor, meinen Geburtstag nächsten Freitag bei Ihnen zu feiern.
 
Stoßen Sie also gerne mit dem Gastgeber Ihrer exklusiven Veranstaltung auf mein Wohl an.
 
Mit freundlichen Grüßen
Helga Birnstiel
 
Hallo Frau Birnstiel,
 
das verstehe ich natürlich.
Es tut mir auch wirklich leid. Aber ich hoffe Sie verstehen es zumindest ein bischen.
Ich wünsche Ihnen natürlich trotzdem nächsten Freitag einen wünderschönen Geburtstagabend.
 
Schöne Grüsse
...
DASLOKAL
 
Und soll ich Ihnen was sagen: Ja, ich hätte sogar Verständnis. Mehr als die Stornierung macht mich die Art und Weise sauer: Mei Mädel, an Aperitiv aufs Haus und dann passt es schon. Und wenn nicht, ist mir doch egal. Spätestens bei dem Hinweis auf meinen Geburtstag hätte eine Reaktion kommen müssen (eigentlich schon vorher).
 
Wäre in der ersten Mail ein Wort des Bedauerns gestanden. Hätte man mir angeboten, sich um eine Reservierung in einem adäquaten anderen Restaurant zu bemühen. Hätte man angefragt, die Reservierung auf einen anderen Termin zu verschieben und als Dank für meine Umstände xy aufs Haus. Dann nach wie vor ärgerlich, aber ich hätte Verständnis.
 
Wofür ich aber überhaupt kein Verständnis habe ist dieses: Mei wer bist denn du. Du bist mir ja wurscht. Ich frag mich dann auch, ob man anders damit umgegangen wäre, wenn statt Frau B. Herr Dr. B. oder gar das Sekretariat Herr Dr. B. die Reservierung vorgenommen hätte. Wobei dies einfach keine Rolle spielen darf. Und deswegen erzählt Frau B. die Geschichte nun in ihrem kleinen Blog und überlegt, wo sie denn ihren Geburtstag feiert. - Dieses Jahr und grundsätzlich.

 


Vor einem Jahr - Rückblick II

Eigentlich müsste man ein Buch darüber schreiben: Wie finde ich eine Wohnung in München. Es wäre ein Verkaufsschlager - aber man würde damit dennoch keine Wohnung finden. Heute noch weniger als die letzten Jahre. Ich hab ja irgendwann aufgehört darüber zu schreiben, weil ich niemanden langweilen wollte und weil die ganze Welt (inklusive meine Leser und alle Münchner Makler) wohl gemeint hat: die Frau hat halt ein Hobby, das heißt Wohnungen besichtigen und so tun als suche sie eine.

Das stimmte nicht. Ich gebe zu, der Anspruch war hoch und dann hat die ganze Welt (inklusive meine Leser und alle Münchner Makler) gesagt: Frau B. spinnt. Oder auch: "Sie wohnen wohl schön". Letzteres hat gestimmt - zumindest ganz subjektiv. Das war dann auch der Punkt, an dem ich für lange Zeit die Lust verloren hatte, zu suchen - und erst, als ich wieder (ernsthaft!) gesucht habe, wurde es auch was.

Also, hier meine Tipps zur Wohnungssuche. Die funktionieren dann, wenn Sie ohne Not suchen.

1. Visualisieren Sie Ihr Wohnumfeld. So exakt wie möglich. Haus oder Wohnung? Innenstadt oder Stadtrand? Garten? Altbau oder Neubau? Deckenhöhe (war mir immer wichtig)? Kamin? Offene oder geschlossene Küche? Wichtig an dem Punkt sind: was lässt sich verändern, was nicht. Aus einem 80er Jahre Bau lässt sich einfach mal kein Jahrhundertwende Stilaltbau schaffen.

2. Wo? Das war der Punkt, an dem ich lernfähig werden musste. Im Prinzip haben fast alle Viertel schöne und scheußliche Ecken. Also wenn man sich auf ein bestimmtes Viertel einschießt, muss man möglicherweise an der Wohnung selbst Abstriche machen. Will man das nicht, kommt man nicht drumrum, seinen Horizont etwas zu erweitern. Ich für meinen Teil hab es ab einem gewissen Punkt so definiert: ich will in einer Straße mit Bäumen wohnen, ich will eine Zone 30 vor der Tür und ich will alles mit dem Rad erreichen können. - Damit hab ich das zwar immer noch sehr eingeschränkt, aber der Radius war schon weiter als "ich will im Ruffini-Karree" wohnen.

3. Was mich zum fast entscheidenden Punkt führt: Bleiben Sie realistisch. Gilt vorallem für die Preisfrage. Ich hätte ja auch gern das Haus in Gern visualisiert. Aber. Ich mein, das kann man auch visualisieren - wenn man einen sehr langen Atem hat und auf einen Lottogewinn hofft oder auf die Erbtante - und bis dahin nicht unglücklich ist, da wo man ist. Auf der anderen Seite

4. Eierlegende Wollmilchsäue gibt es. Wenn Sie dran glauben, lassen Sie sich von Makler nicht das Gegenteil einreden. Also: Visualisieren, Realitätscheck machen (incl. Finanzceck) - dann suchen. Und genau danach. Was scheinbar toll ist, muss es für einen persönlich noch lange nicht sein. Ich finde es ganz faszinierend, wie glücklich die Menschen, die ich die letzten Jahre auf ihrer Suche begleitet habe, heute in ihrem Wohnumfeld sind. Jedes ist anders. Ich finde jedes einzelne großartig - und möchte gleichzeitig mit keinem tauschen.

5. Überlegen Sie sich ganz genau, wo Sie Abtriche machen würden und welche Punkte unverhandelbar sind. Und dann bleiben Sie dabei. Man kann das ja im Laufe der Suche nochmal überprüfen.

6. Mundpropaganda ist überschätzt. Glauben Sie wirklich, dass die Bäckereiverkäuferin sich ernsthaft dafür interessiert, dass Sie eine neue Bleibe suchen? Mundpropaganda funktioniert genau, wenn man den Menschen wirklich gut kennt. Oder auf dem Dorf. Und in München muss die Bäckereiverkäuferin die Bäckereibesitzerin sein, der das Haus seit Generationen gehört. Dann weiß sie auch vielleicht was.

7. Seien Sie überzeugend. Das war mit der Punkt, der mir am meisten Bauschmerzen bereitet hat. Überzeugend heißt ja: ich will und ich kann es mir leisten. Da haben ja Dampfplauderer und geleaste Porschefahrer immer gute Karten. Im Gegensatz zu Frauen, die allein auf dem Fahrrad zu einer Wohnungsbesichtigung kommen. Also wenn Sie es einrichten können: machen Sie schon die Erstbesichtigung zu zweit - das ist immer überzeugender. Schreiben Sie die Mails vom Firmenaccount. Und fallen Sie in irgendeiner Form positiv auf.

8. Treten Sie dummen Maklern auch mal auf die Füße. Tun Sie es nicht bei guten, die sind ihr Geld wert - und einen guten erkennt man überraschend schnell. Leider eine seltene Spezies.

9. Wenn Sie Bauchschmerzen bekommen, lassen Sie es bleiben.

Ich persönlich habe ja zu Nikolaus 2012 meine persönliche eierlegende Wollmilchsau besichtigt. Mit einem guten Makler, bei dem ich auch ohne männliche Begleitung bei der Erstbesichtigung punkten konnte. Ich habe kein einziges Mal schlecht geschlafen. Und kann Ihnen sagen: Nikolaus ist ein guter Mann. Aber nehmen Sie sich vorm Krampus in Acht.


Vor einem Jahr - Rückblick I

Für Jahrerückblicke ist es eigentlich noch zu früh... Aber das letzte Jahr fing für mich tatsächlich noch vor dem Kalenderwechsel an. Also Zeit für einen Rückblick: Es ist etwas mehr als ein Jahr her, als Herr Buddenbohm eine Welle in den Blogs lostrat auf die Frage, ob ein Platz jenseits seines Viertels lebenswert sei. Er war (und ist??) auf Wohnungssuche. Wir waren das zu diesem Zeitpunkt auch. Und bei der Liebeserklärung, die ich damals an mein Stadtviertel schrieb, war mir eigentlich schon klar, dass unsere gemeinsame Zeit vielleicht schon bald vorbei sein würde.

Wenn ich ehrlich bin, lag mir ganz besonders viel daran, dass möglichst viele Münchner mitschreiben würden, um zu sehen, ob auch andere Viertel als die, die ich eh schon in Betracht gezogen hatte, in Betracht kämen. Um die Frage zu beantworten: Nein. Jedenfalls für uns nicht - und jeder hat andere Prioritäten und ich hatte mich schon lange mit den Verschiedenheiten der Viertel beschäftigt.

Mein München ist jedenfalls seit ein paar Monaten ein anderes. Ich kann darüber noch nicht in der Ausführlichkeit schreiben wie über mein altes, dazu kenn ich es noch nicht genug. Aber mein München ist heute Schwabing. Genau gesagt "Neuschwabing" - das neu bezieht sich auf einen Status um 1900 und bezieht sich auf die Gegend nördlich der Maxvorstadt bis hin zum Luitpoldpark. Es ist ein geplantes Viertel, aber vor dem Franzosenviertel und der Isarvorstadt geplant, also zu einer Zeit als die Bevölkerung noch nicht so stark in München angestiegen war. Was bedeutet: großzügiger geplant. Die Straßen relativ breit mit Alleecharakter, Plätze und je weiter im Zentrum des Viertels auch so großzüger die Wohnungen.

Die Mischung ist hier auch sehr unterschiedlich: zwischen großherrschaftlich und Genossenschaft ist alles vorhanden, zwischen "saniert und sauteuer" und "außen hui und Klo auf dem Gang", zwischen "schon immer hier" und "zugezogen". Es ist eine spannende Mischung und das erstaunlichste ist wohl, dass es ein sehr friedliches nebeneinander ist.

Vielleicht liegt es daran, dass die Hype-Zeiten von Schwabing-West, wie es heute heißt, schon lange vorbei sind. Also wer hier lebt, lebt halt. Und das nicht schlecht. So zwischen Englischer Garten und Luitpoldpark, der vor allem deshalb zu toll ist, weil er ein echter Vorgarten der Anwohner ist, während sich im Englischen Garten und im Nyphenburger Park halb München und der Rest der Welt auf die Füße treten.

Was mich nach wie vor fasziniert ist die Nähe. Also zu allem. Auch zur Innenstadt. Auch wenn ich glaube, dass es vom Radius her keinen großen Unterschied macht - wir sind einfach von Neuhausen aus Richtung Osten gezogen und wohnen jetzt nicht nordwestlich sondern nörlich des Marienplatzes. Aber speziell im Sommer ist es näher. Man radelt durch die Stadt in die Stadt. Man ist in der Stadt.

Außerdem ist hier eh alles. Und nach wie vor viel zu entdecken. Also Fortsetzung folgt...


Ruhe is - irgendwann

Der grünen OB-Kanditatin ist München zu wenig großstädtisch, entnehme ich der heutigen SZ. Sie will die Sperrzeit der Freischankflächen kippen. Feiern ohne Begrenzung. Und wer in der Nähe einer Freischankfläche wohnt, ist selber schuld. Soll er doch an den Stadtrand ziehen und dann abends in die Stadt radeln, denn gegen das Autofahren in der Stadt hat sie ja ebenfalls etwas.

Vor 20 Jahren hätte ich ihr begeistert zugestimmt. Klar, draußen sitzen - am besten die ganze Nacht. Vor zehn Jahren hätte das Argument noch bei mir gezogen: die wenig heißen Tage. Inzwischen halte ich die 23 Uhr für einen idealen Kompromiss. Und es gibt genug Tage, da hätte ich gerne vor 23 Uhr Ruhe. Statt wie de facto gegen 24 Uhr. Denn bis tatsächlich die Leut nicht mehr draußen sitzen, bis tatsächlich zusammengeräumt ist, bis tatsächlich die Leut, die ja nicht mehr sitzen, dann gehen, das dauert. Aber es gibt auch die Tage, an denen ich nicht heim will, an denen ich nicht rein will. An denen andere Menschen früher schlafen wollen, am nächsten Tag früher raus müssen.

Klar ist, du brauchst einen Kompromiss. In München hat man sich, wenn mich nicht alles täuscht, war es im Zuge der Biergarten-Revolution geeinigt. Menschen leben, Menschen arbeiten und Menschen gehen aus in einem Viertel. Schlafviertel braucht kein Mensch, aber das, was in den letzen Jahren an Neubaugebieten entstanden ist, sind reine Schlafviertel. Da ist kein Platz für Geschäfte, geschweige denn eine Wirtschaft. Wollen wir reine Amüsierviertel, in denen keiner mehr wohnt und reine Schlafviertel, in denen keiner so richtig lebt? Die Mischung macht es aus. Macht es spannend. Macht es auch mal laut. Aber erfordert, dass es auch mal ruhig wird. Weil alle und alles auf einen Platz geht nicht ohne Kompromisse.


A Radler, a Radler!

Das mit den Fahrradstraßen in München und dem Radeln gegen die Fahrtrichtung in Einbahnstraßen ganz offiziell ist eigentlich eine pfundige Idee. Bei letzterem ist es die Legalisierung einer Sache, die eh jeder macht. Das ist freundlich von der Stadt München, denn an Stellen, an denen das nicht legalisiert ist, verteilt die Polizei freudigst Strafzettel für Radler. Und ich hab den Verdacht, dass damit eingenommene Geld kommt nicht der Stadt, sondern dem Freistaat zu Gute, sonst wär ja die Stadt nicht so großzügig.

Also in Schwabing und der Maxvorstadt darfst damit nahezu jede Straße in jede Richtung beradeln. In einem Gebiet, in dem die Radlerfrequenz sehr sehr hoch ist, eigentlich eine pfundige Idee. Tatsächlich macht es den Verkehr nicht weniger gefährlich - denn dass man da Radeln darf, heißt noch lange nicht, dass Autofahrer realisieren, dass ihnen ein Radler eventuell entgegegen kommt. Den man dann natürlich erst mal beschimpft, nachdem man ihn fast über den Haufen gefahren hat...

Was ebenso wenig im Bewusstsein der Autofahrer angekommen ist, ist das Prinzip Fahrradstraße. Da mag es noch so breit an jeder Kreuzung stehen. Nehmen wir doch mal den letzten Samstag: Friedlich radelten wir in der sonnigen Nachmittagssonne die autoleere Clemensstraße entlang. Nebeneinander. Das darf man ja in einer Fahrradstraße. Bis es von hinten hupte. Mehrmals. Andauernd. Ich ließ mich nicht beirren - ja, auch ich kann den Verkehrserzieher raushängen lassen. Bei nächster Gelegenheit wurde ich dann mit quietschenden Reifen und aufheulenden Motor überholt. Und ich konnte es nicht lassen, dem Fahrer "Das ist eine Fahrradstraße" hinterherzurufen. Alles andere habe ich mir an diesem friedlichen Samstag nachmittag gespart und das war auch gut so, denn nur "Fahrradstraße" leitete schon eine Vollbremsung ein - gefolgt von Türen aufreissen und wüsten Beschimpfungen. Ich möcht ja gar nicht wissen, was passiert wäre, hätte ich ihm eine größere Beleidigung als "Fahrradstraße" hinterhergerufen.

Also so ganz ungefährlich ist es nicht, in München zu radeln. Selbst wenn man sich an alle Verkehrsregeln hält.


Ausgepackte Kisten

Es ist schon seltsam, wie sehr eine Stadt ihr Gesicht verändert, wenn man umzieht. Selbst, wenn man sie gut kennt. Selbst, wenn man nicht an den Stadtrand zieht oder an das andere Eck. Selbst, wenn man nur in den Stadtteil nebenan zieht. Aber die Wege werden andere. Die kurzen, die man täglich gegangen ist, gibt es nicht mehr. Man muss sie neu finden. Die längeren führen einen durch neue Straßen oder durch lange nicht gegangene Straßen. Und so stromert man seltsam zeit- und raumlos durch die Stadt. Immer auf Entdeckung. Und nachdem das Gerüst des Alltags weggebrochen ist, entdeckt man die Stadt neu. Und irgendwie ist es nach wie vor wie Urlaub.

Münchnerischer ist es hier. Schon allein der Blick aus meiner Küche in die Hinterhöfe, wo einer in den anderen übergeht. Die Nähe zum Englischen Garten. Und wenn du in die Stadt radelst, radelst du durch die Stadt in die Stadt. Kleine Geschäfte, nach wie vor Werkstätten und dankenswert wenig Coffee-Shops. Und natürlich der Elisabethmarkt, den ich schon geliebt habe, als ich noch nicht hier gewohnt habe. Und das Bairisch ist auch noch nicht ausgestorben und dazu braucht es auch keine lächerlichen Schilder an der Geschäftstür, die suggerieren, dass der Zuzogene unerwünscht sei.

Und so sind die ersten Wochen ins Land gegangen zwischen sich sofort heimisch fühlen und fremd sein. Zwischen entdecken und zurückziehen. Kisten auspacken, einräumen, umräumen. Vielen ungeschriebenen Geschichten und nicht geknipsten Bildern. Aber es ist ja noch Zeit. Neue Geschichten kommen und warten darauf, erzählt zu werden.

Helau, Alaaf, Krapfen für alle

Das muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen: Um die letzte Jahrhundertwende zogen die Schwabinger Künstler und Literaten Trachten an, gingen auf die Bauern Kirchweih und das ganze war Bohème. Im Fasching. Heut ziehen alle zur Wiesn Trachten an und feiern ... äh Fasching?

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Auf jeden Fall: Viel Spaß beim Feiern, mein Schnupfen, mein Husten und ich bleiben daheim.


Winteridyll

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Draußen am See sieht das ja ganz nett aus.

Hier in der Stadt sieht es auf den Bäumen und Dächern auch ganz nett aus. Und weil die Stadtverwaltung meint, dass es auch auf Straßen und Bürgersteigen nett aussieht, werden die auch nicht geräumt. Auf denen fahren dann so kleine Räummaschinen, deren kleine Schaufel, wann immer mir eines begegnet, nicht den Schnee am Boden beiseite räumen, sondern die Luft durchpflügen. Wobei ich ihnen unrecht tue, schließlich wird hin und wieder der Schnee von ihnen plattgewalzt und mit Splitt verziert. Parkettböden lieben den Winter in der Stadt auch ganz ungemein.


Vorweihnachtlich

Aufgewacht und irritiert gewesen, dass heute nicht Weihnachten ist. Noch zwei Wochen unstaade Zeit. Dabei wurde es gestern so still mit der Schneedecke, die sich über München legte, die nach Punsch vor dem Kamin verlangte und Rückzug. Dabei war gestern abend Weihnachtsprogramm in der Staatsoper: Der Nussknacker. - So schön. Viele kleine Mädchen im Publikum, mit Balletttänzerinnen-Dutt. Ansonsten überraschend unelegant die Besucher, möglicherweise dem Wetter geschuldet. Danach aber seltsamerweise kein Pferdeschlitten vor der Tür, der mich in Pelz gehüllt in eine Villa mit prasselnden Feuer im Kamin und entzündeten Kerzen am Christbaum gebracht hätte. Aber es gibt ja auch keine Villa und Weihnachten ist auch noch nicht.

 

Aber bald. Der Weihnachtsbaum steht schon auf dem Balkon. Die Weihnachtssterne in den Zimmern. Der Adventskranz auf dem Tisch. Die allerersten Plätzchen sind gebacken. Damit ein bisschen Stimmung aufkommt. So muss es sein. Und Weihnachten dann kehrt Ruhe ein.

Update und Hinweis: Am 13. Dezember gibt es die Aufführung als Live-Stream aus der Staatsoper.


Der Rest von München: Neuperlach

Ein Stadtteil, der mir völlig fremd ist. Für Außenstehende wirkt es wie irgendwann mal hingeklotzt und dann allein gelassen. Und es ist wohl tatsächlich ein Kosmos für sich, der mit dem, was der Rest der Welt mit München verbindet, wenig gemein hat. Aber Neuperlach hat tatsächlich ein eigenes Blog - und hier wird der Stadtteil vorgestellt.

Hierum geht's bei unserer Serie und auch freuen würde ich mich über Beiträge aus der Isarvorstadt und dem Schlachthofviertel (das habe ich jedenfalls so dem Buch entnommen).