Wochenend-Notiz

Der 8-Punkte-Plan zur Stimmungsaufhellung

So, jetzt haben wir also diese Woche hinter uns gebracht, irgendwie war's ja nichts gescheites - egal, ob jetzt Montag oder Dienstag der angeblich fürchterlichste Tag des Jahres war. Übrigens nach empirischer Studie von S. soll es doch der Montag gewesen sein. Nach meiner Beobachtung durchzog die Woche vor allem ein allgemeines Bäh-Gefühl. Man könnte es auch typische Januar-Stimmung nennen. Aber es sind ja nur noch ein paar Tage - vielleicht wird's im Februar besser...

Obwohl oder gerade eben: Nach dieser Woche ist es Zeit für "Ich-tu-mir-jetzt-was-Gutes". Ich fand ja letztes Wochenende Frühstücken und danach in eine Ausstellung zu gehen, ein gelungenes Beispiel für einen perfekten Sonntag. Wer es mir nachmachen will: Das Frühstück im Eisbach ist wirklich phantastisch. Andere Vorschläge:

  • Mal wieder nett essen gehen. Nicht irgendeine Nahrungsaufnahme, sondern mit der Dame oder dem Herrn seines Herzens mal wieder ein echtes Date ausmachen. Ein bisschen Romantik soll Wunder wirken an kalten Wintertagen...
  • Tulpen kaufen - und sich den Frühling einfach ins Haus holen.
  • Sich die Kälteverspannung rausmassieren lassen.
  • Champagner trinken, Kerzen anzünden Vivaldi hören und in der Badewanne den kalten Tagen was gutes abgewinnen.
  • Urlaubspläne schmieden und in Gedanken schon mal wegfahren.
  • Eine (zwei, drei) Modezeitschrift kaufen und bei einem Glas Prosecco (zwei, drei) die neue Frühjahrsmode vorsichten.
  • Und was natürlich immer geht: Schuhe kaufen.

 


Von Eltern und anderen Menschen

Die Zeitempfindung von Eltern ist ja eine ganz eigene. So haben die eigenen Eltern fast grundsätzlich einen Sprung im Zeit-Raum-Kontinuum - oder wie sonst ließe es sich erklären, dass sie ihr Leben lang kleine Kinder haben, denen sie zu dieser Jahreszeit am liebsten persönlich das Mützchen aufsetzen würden. Kinder werden erwachsen, machen ihre eigenen Fehler, bekommen graue Haare - und bleiben trotzdem auf ewig tolpatschige kleine Wesen, die gerade laufen lernen - jedenfalls aus Sicht der Vorgeneration.

Auch wenn diese inzwischen nicht mehr so kleinen Wesen selbst ebensolche haben. Und schon wieder offenbart sich ein Sprung im Zeitgefüge - nun zwischen Eltern und Nicht-Eltern. Was man jetzt noch mit einem milden Lächeln registrieren könnte, ist vermutlich der Ursprung des über Jahre hinweg wachsenden Lochs des elterlichen Zeitempfindens.

Und es beginnt banal mit einer Einladung zum Brunch. Am Sonntag um halb elf. Also zu einer Zeit, zu der man sich gemütlich nochmal auf die andere Seite dreht. Vielleicht mal durch die Vorhänge blinzelt. Vielleicht auch langsam die erste Tasse sonntäglichen Milchkaffees schlürft. Um diese Zeit verbreiten Eltern bereits hektische Betriebsamkeit. Wobei der Zeitplan eindeutig Wonneproppen bestimmt ist, das seinen Lunch nämlich um halb zwölf zu sich nimmt.

Liebe Eltern, wir treffen euch gerne nachmittags zum Kaffee trinken statt abends in der Kneipe. Wir gehen mit auf den Spielplatz statt zum Shoppen. Haben erkannt, dass gegen euren Nachwuchs Einstein eine glatte Null war. Diskuttieren mit euch über erste Worte statt neueste Romane. Wir Nicht-Eltern sind flexibel, auch wenn ihr es nicht merkt. Aber um halb elf am Sonntag brunchen? Stopp! Hier tut sich ein Zeitloch auf, vor dem wir euch bewahren müssen...

Nennt es doch einfach frühstücken...


Man kann mich abergläubisch nennen...

...aber so ganz traue ich einem Freitag den 13. nicht über den Weg. Obwohl es eigentlich eher der nahende Vollmond ist, der mich unruhig und auch manchmal etwas giftig werden lässt. Und deswegen ist es wahrscheinlich ein guter Plan, dieses Wochenende etwas planlos auf mich zukommen zu lassen.


Dieses Wochenende...

...ist die letzte Chance für die Franz Marc Ausstellung im Lenbachhaus. Allerdings wird sich dadurch die Wartezeit von einer Stunde wahrscheinlich noch steigern. Für alle, die schon bei der Aussicht auf kalte Füße ebensolche bekommen: Die Dauerausstellung im Lenbachhaus gibt's auch nach dem 8. Januar noch und auch das kleine aber feine Franz Marc Museum in Kochel ist einen Ausflug wert.

Und noch eine Ausstellung hat am 8. Januar ihren letzten Tag: die französischen Meisterwerke des 17. und 18. Jahrhunderts  im  Haus der Kunst. 


Ist das Leben nicht schön?

Eine Woche bis Weihnachten. Stellt sich die Frage, ob man lieber sich in den ganz großen Trubel stürzt oder ob man nicht ein bisschen Zeit für Besinnung findet. Blöd nur, dass es für viele der Samstag genau die letzte Gelegenheit ist - zum Geschenke kaufen zum Beispiel (fast, es gibt ja noch den 24.). Oder für einen gemeinschaftlichen Großeinkauf im Supermarkt (hab ich eigentlich schon am Küchentisch erwähnt, dass ich das nicht allein machen werde...?). Also lauter schöne Dinge, die so richtig Spaß machen, bei denen man eine gewisse Abneigung gegen alle Menschen entwickelt und gegen Weihnachten an sich.

Und ab diesem Zeitpunkt ist die Weinnacht angesagt. Wir müssen uns ja nicht alle gleich im Selbstversuch dem Vollrausch hingeben, aber bei einem Glas Wein über die Frage zu philosophieren, ob denn kurz vor dem Feste alle bescheuert sind, ist eigentlich eine gute Idee. Ein Glas langt auch - die Antwort steht eh fest...

Aber dann kann man sich wieder den schönen Dingen des Lebens widmen. Zum Beispiel die Kiste mit den Weihnachtsvideos aus dem Regal holen und das alljährliche Tränchen vergießen, wenn Clarence seine Flügel bekommt...

Auch im Kino ist ein Weihnachtsprogramm wie schon seit Jahren nicht mehr - allerdings muss man bei Kino wieder unter Menschen... Und das muss man auch, wenn man am Samstag abend ausgehen möchte, zum Beispiel zur Jazzy Christmas ins Voglers. Schwere Entscheidung.


Erst eins, schon zwei...

Wie die Zeit verrast. Immer noch keine großartigen Weihnachtsgefühle. Ob die sich einstellen, wenn man sich dem allgemeinen Geschenkewahnsinn am Samstag in der Fußgängerzone hingibt?  Ich glaube, man sollte die Innenstadt wohl besser meiden - der beste Wochenendtipp, den ich je gegeben habe...

Nein, ich habe noch einen anderen: Wie wäre es mit einem Christmas-Warm-up auch genannt Adventstee? Die ersten selbstgebackenen Plätzchen, ein paar Lebkuchen und Glühwein (nur nur nur selbstgemacht!!!). Noch haben die meisten Menschen Weihnachten noch nicht so registriert, sind also noch nicht im obligatorischen Vorfreudenstress - es ist der ideale Zeitpunkt für ein entspanntes "Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen"-Treffen. Ist doch eine schöne Idee, oder?


Advent, Advent...

Nachdem ich mich dieser Tage schon bei Dr.Sno* als Mainstream geoutet habe - kann ich gleich eine andere so gar nicht intellektuelle Vorliebe zugeben: Ich mag die Vorweihnachtszeit. Sie versüßt den von mir so gehassten Winter  - und das nicht (nur) in Form von Lebkuchen. Ich mag den Geruch von Plätzchen, Maroni, Glühwein, Mandarinen, Tannenzweigen... Den Geschmack von Plätzchen, Maroni, Glühwein (guten aber bitte!), Mandarinen... Ich mag's, wenn die Stadt lichtergeschmückt ist, auch wenn es kitschig ist. Und ja: in meiner Wohnung gibt es Weihnachtsdeko - so ein bisschen jedenfalls, was eine Wohnung, die normalerweise gegen jeden Deko-Schnick-Schnack gefeit ist, zulässt. Und ja, ich liebe Plätzchen backen.

Also läuten wir doch allgemein die Weihnachtsstimmung ein, immerhin ist der erste Advent. Dieses Wochenende eröffnen auch wieder die Weihnachtsmärkte. Ich bin letztlich immer hin- und hergerissen, ob ich Weihnachtsmärkte eigentlich mag.

  • Ich mag den Weihnachtsmarkt auf der Praterinsel, weil er so lauschig ist. Draußen jedenfalls.
  • Ich mag den Markt am Sendlinger Tor, weil er die Verschnaufspause im Vorweihnachtstrubel in der Stadt ist.
  • Ich freu mich auf den Mittelaltermarkt - schon allein weil es was neues ist.
  • Ich mag eigentlich auch einen Winterspaziergang im Englischen Garten und einen Bummel durch den Markt am Chinesischen Turm, auch wenn er mir inzwischen zu groß und überlaufen ist.
  • Ich glaub ich mag Tollwood endgültig nicht mehr. Mal schauen.

Dieses Wochenende ist ideal - es ist kalt, es liegt Schnee. Es ist also so eine richtige Weihnachtsmarkt-Stimmung. Außerdem hat einen noch nicht vier Wochen lang der Glühwein den Magen verpappt - man kann damit anfangen. Zum Beispiel am Samstag - in Memoriam an den unvergesslichen Helmut Fischer - mit einem Bummel über die Münchner Freiheit. Und um 21 Uhr gibt es dann die schwere Entscheidung, ob ich mir im Kunstzelt die Souvenirs noch anhöre oder heimwärts gehe - zur Monaco Franze Nacht vor den Fernseher (Ja, der Franze ist wieder da! Dank für die Info an Muenchenblogger, die das Fernsehprogramm vor mir studiert haben...): Sechs Folgen mit dem ewigen Stenz und seinem Spatzl aus der Feder von Helmut Dietl und Patrick Süßkind. Genial und immer wieder gut und mit dem heutigen Mainstream nicht zu vergleichen... Und wie kam ich eigentlich dazu, mich selbst als Mainstream zu outen?????????????


München Bilder

München hat viele Gesichter. Es ist eine Frage des Blickwinkels, was man in München sieht. Einen ganz eigenen Blickwinkel hat der Fotograf Michael Nischke eingenommen - und hat München aufgenommen. Herausgekommen sind faszinierende Bilder.  Zwei Jahre lang war Nischke mit einer alten russischen Panoramakamera unterwegs, vor allem am frühen Morgen, wenn die Stadt noch unberührt scheint. Diese Momente zusammen mit einem Faible für die kalte Jahreszeit lassen die Bilder ganz still werden und doch beweglich und lebendig, was an seiner speziellen Technik liegt: Das Objektiv bewegt sich nämlich bei der Belichtung.

Anschauen kann man die Bilder in seiner Galerie in der Baaderstraße 52 - und da findet auch am Samstag von 10 bis 22 Uhr die Präsentation seines München-Bildbands statt. Um 19 Uhr liest Hans Pleschinski "München Ostbahnhof". Anschauen lohnt sich! Danach sich im Gärtnerplatzviertel  eine nette Bar suchen - kein schlechter Plan für Samstag abend. 

Mehr über Michael Nischke stand übrigens auch in der Welt am Sonntag.


Kein Grund zu meckern

Wenn München so furchtbar ist - warum sind wollen dann so viele Menschen hier leben? Nach der jetzt.de Meckerliste ist es Zeit für eine Gegenaktion. Mal wieder. München ist schön, weil...

  • ..man hier immer noch in der Sonne draußen sitzen kann, während schon 20 Kilometer weiter nördlich die Menschen unter grauer Suppe leiden (ok, nicht heute  - aber  die ganze letzte Woche)
  • ...es wunderbar ist bei Dämmerung über den fast leeren Viktualienmarkt zu bummeln und vielleicht noch ein paar Nettigkeiten für's Wochenende einzukaufen
  • ...sogar die Schrannenhalle ihren Reiz hat (tagsüber)
  • ...man immer wieder auf neue Geschäfte stößt - wie zum Beispiel das Prinzess in der Sendlinger Straße: ein sehr süßes Schokoladengeschäft mit Pralinen aus Waakirchen und wunderbaren Baumkuchenspitzen
  • ...einem auf Anhieb x-wieviele Lokale einfallen, in die man zu den unterschiedlichsten Anlässen gehen kann
  • ...es immer wieder Bars und Kneipen gibt, die neu zu entdecken sind
  • ...man auch einen Samstagabend getrost daheim verbringen kann - kommen ja nicht fünf tote Abende danach...
  • Fortsetzung folgt...

Nachtrag: Über das Prinzess gibt es auch eine Diskussion bei munich friends.


Dieses Wochenende...

...ist die letzte Gelegenheit, sich in der Hypo-Kunsthalle die Helmut Newton Ausstellung Sex and Landscapes anzuschauen. Aber wahrscheinlich ist es auch die letzte Gelegenheit, bei strahlenem Sonnenschein einen Herbstspaziergang zu machen. Wenn das Attribut golden auf einen Oktober zugetroffen hat, dann wohl auf diesen! Und das erstaunliche: Ab Dienstag soll es ja tatsächlich laut Wetterbericht novemberlich grau werden. Also noch mal raus! Doch spätestens am Sonntag kann man  den Museumsbesuch und den Herbstspaziergang verbinden, denn da wird es ja schon wieder früh dunkel werden...


Dieses Wochenende...

...werde ich mal tief in mich gehen und mich fragen, wie manche Leute auf die Idee kommen können, dass ich das Bayerische an sich als negativ empfinde - wie bei minga.de  ... Vielleicht lese ich dazu mal wieder eines meiner Lieblingsbücher – nämlich Lion Feuchtwanger „Erfolg“. Ein grandioser Zeitroman über Politik und Kultur aus der Zeit der Inflation. Ein München- und Bayernportrait vom kleinen Handwerker bis hin zum Gschwollschädelpolitiker, das heute so treffend ist wie damals. Nicht nur eine Topographie des Bayerischen, sondern auch der Beweis, dass keiner sagen konnte, er hätte nichts gewusst. Absolut empfehlenswert!

Vielleicht höre ich mir auch die Aufnahme „Erfolg“ an – von der großartigen musikalischen Lesung aus den Kammerspielen aus dem Jahr 2000. Jörg Hube liest und die Biermösl Blosn spielt dazu auf. Bayerisch böse würden jetzt vielleicht manche Leute sagen. Recht haben sie, man kann aber auch sagen: den Leit aufs Maul schaun und nicht nach demselben reden... Vorteil natürlich: Es ist die Kurzfassung des 800 Seiten Romans und man hat danach noch Zeit, auf die Auer Dult zu gehen – dem Schauplatz der Schlussszene von „Erfolg“. Und dann muss man das Buch eben doch ganz lesen...

Mehr Bayern-Typographie und Bösartigkeit gäbe es am Wochenende mit Günter Grünwald im Lustspielhaus (leider ausverkauft). Aber man kann sich ja vormerken, dass Sigi Zimmerschied im November nach München kommt (zuerst Lach und Schieß, dann Lustspielhaus) und zwar mit seinem Programm „Scheißhaussepp“. Weit fahren muss derjenige, der die Blosn noch live in diesem Jahr hören und sehen will, aber am 3.11. spielt im Schlachthof immerhin „Monaco Bagage“.

Wem’s aber mehr nach Pseudo-Bayerntümelei ist, der kann ja ins Hofbräuhaus gehen und sich dort die Orginalversion von „Solang der alte Peter“ anhören – mir ist die der Biermösl Blosn lieber...


Apropos old-fashioned...

...Dieses Wochenende ist ja nicht nur, Sie wissen’s ja inzwischen (und wenn nicht, siehe letzter Eintrag), dieses Wochenende, nämlich am Sonntag, findet noch ein anderes Ereignis statt: Kirchweih. Was, zwar losgelöst vom eigentlichen Sinn des Festes, für mich jedes Jahr bedeutend ist: ein saftiger Gänsebraten am besten mit glasierten Maronen, Blaukraut und Serviettenknödel. Ein Gedicht! Womit wir ja doch wieder bei der Kunst wären...


Kunst mir mal ein Event machen?

Diesen Samstag gibt’s in München mal wieder ein richtiges Kultur-Event: Die lange Nacht der Museen. Tausende von Besucher, die Jahr und Tag nicht ins Museum gehen, werden sich in den Musen-Tempeln dieser Stadt gegenseitig auf die Füße treten. Vor lauter Köpfen kein Bild gesehen haben, aber glücklich auf einem Event gewesen sein. Ich finde diese langen Nächte absurd. Ob die lange Nacht der Museen, der Musik oder der Wissenschaft. Das Angebot an so einem  Abend ist gigantisch – und letztlich für den einzelnen doch nichts halbes und nichts ganzes. Man rennt allem hinterher, um dann wieder vor wegen Überfüllung verschlossenen Türen zu stehen. Und macht sich wieder auf den Weg.

Im positiven Sinne ist so eine lange Nacht vielleicht eine gute PR für die Museen. Sie lockt Menschen an, die normalerweise eine Schwellenangst vor Museen haben – und vielleicht bekommen sie ja dadurch Lust, das zu sehen, was sie an diesem Abend doch nicht sehen vor lauter Menschen. Vielleicht aber auch nicht, denn ohne Kunst-Hopping mit Häppchen finden viele das ganze nach wie vor langweilig.

Vielleicht bin aber auch ich langweilig und old-fashioned. Ich gehe in ein Konzert, in ein Theaterstück, in eine Ausstellung – und gut ist es. Danach je nach Tageszeit auf einen Kaffee oder ein Glas Wein und dann lasse ich das ganze auf mich wirken. Und das kann ich immer machen, dafür brauche ich keine lange Nacht...

Nicht, falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Kunst-Events an sich, Stellt sich nur die Frage: Warum muss alles an einem Abend stattfinden – statt es über das Jahr hinweg zu verteilen? Die Kombination von Theater, Musik, Literatur und bildender Kunst – wunderbar. Warum nicht öfter? Es gibt nicht nur eine sogenannte lange Nacht, das Jahr hat immerhin 365 Tage...


Zeit zum Genießen

Ein wunderbares Herbstwochenende steht vor der Tür. Momentan ist der Oktober das, was man golden nennt – und mein absoluter Lieblingsmonat. Kalt und neblig am Morgen bis mittags die Sonne durchbricht und die Stadt in ein ganz eigenes Licht taucht. Die Nachmittage so warm, dass man wunderbar draußen sitzen kann. Und die Abende beginnen zu einer Zeit, zu der es in Ordnung ist, wenn es dunkel wird, weil man dann getrost ins Kino, ins Konzert, Theater oder wo auch immer hin gehen kann. Oktober ist die Zeit, in der es tausende von Neuerscheinungen in den Buchläden gibt. Die Theater wieder Aufführungen geben. Es Spaß macht auszugehen, weil man noch nicht die dicken Jacken und Stiefel abends braucht, die einen drinnen immer zu viel werden und die das Bar-Hopping am Abend lästig werden lassen. Oktober ist die Zeit, in denen man abends die alten und neuen Läden mal wieder ausprobiert ehe man im Laufe des Winters sich häufig in seine Stammplätze hinter dem imaginären Kamin zurückzieht. Es beginnt die Zeit für Jazz und guten Rotwein. Des Brunchen und danach ins Museum Gehens. Die Auswahl an schönen Dingen, die man machen kann, ist selten so gut wie im Oktober. Und deswegen werde ich heute erst einmal ausgehen – mal wieder ins Vogler, ein bisschen Jazz hören. Setze mich morgen ins Ruffini in die Sonne und lese weiter in dem neuen Buch von Jonathan Safran Foer „Extrem laut und unglaublich nah“. Auch Kino wäre mal wieder angesagt – es laufen schließlich so viele gigantische Filme. Und am Sonntag ein richtig schöner Herbstspaziergang durch den Englischen Garten. Schönes Wochenende!


Endlich ein Ende mit der Wiesn

Halleluja, das letzte Oktoberfest-Wochenende ist angebrochen. So eine immense Wiesn-Antipathie hatte ich glaub ich noch nie. Der berühmte Funke ist diesmal gar nicht übergesprungen. Und mir ist nun mal ein Glas Rotwein und Jazz im Hintergrund wesentlich lieber als Bier und Blasmusik. Die Massenbegeisterung für Ballermann-Feeling, dumme Partymusik und Zelte, die am Wochenende um kurz nach 9 Uhr morgens voll sind, kann ich schlicht nicht nachvollziehen. Wer in aller Welt geht um diese Zeit zum Saufen? Das ist doch krank - und da braucht mir niemand etwas von Gemütlichkeit erzählen. Da verkommt das Oktoberfest zur Rauschstation Sehnsucht.

Ich bin froh, wenn die ganzen Wiesn-Devotionalien aus der Stadt wieder verschwinden. Einem nicht mehr ständig Menschen mit ach so witzigen Kopfbedeckungen begegnen oder pseudotrachtlerisch aufgrüscht wie ein Brauereiross. Diejenigen, die glauben, den Tag mit einer Maß Bier beginnen zu müssen, wieder als Gratler bezeichnet werden und die, die Schampus aus dem Maßkrug trinken als dekadent. Im öffentlich rechtlichen Fernsehen Frauen nicht mehr auf ihren Ausschnitt degradiert werden. Wieder abends etwas unternehmen zu können, weil man auf dem Heimweg in der U-Bahn nicht nur grölende Massen hat oder auch wieder ein Taxi bekommt. Oder überhaupt wieder Menschen zu treffen, weil sie nicht entweder auf der Wiesn sind oder ihren Rausch vom Vorabend ausschlafen müssen. Wieder Menschen in die Stadt kommen - nicht nur des Bieres wegen. Die Theater nach dem Oktoberfest den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Und mit dem Oktober ein wunderbarer Monat anfängt...


Dieses Wochenende ist Ferragosto

Und in München heißt die Devise: Innenstadt meiden! Denn neben den üblichen Mitt-August-Touristenscharen tummeln sich tausende von Jugendlichen, die sich hier auf den Weltjugendtag vorbereiten, der ab Dienstag in Köln stattfindet. Dazu plant die Stadt auch für Samstag den München-Tag. Also wer sich nicht mit jungen Menschen über Gott und die Welt unterhalten möchte, sollte besser daheim bleiben. Wer es möchte, hat dieses Wochenende die Gelegenheit dazu – schließlich heißen die Tage auch „Tage der Begegnung“.

Normalerweise hat man um diese Zeit als Münchner seine Stadt für sich allein – also abgesehen von den schon erwähnten Touristen – und wenn man dann all diejenigen Plätze meidet, die in Reiseführern mit einem Stern als sehenswert gekennzeichnet sind, ist es hier richtig schön. Denn fast alle anderen Münchner treffen sich gerade irgendwo in Italien wieder. Wobei ja kein normaler Mensch freiwillig zu Maria Himmelfahrt an Italiens Strände fährt. Ferragosto! Für alle, die es vergessen haben. Italien ist in Party-Laune. Die Städte sind tot und alle Italiener beim Feiern am Strand. Eine Stimmung wie am zweiten Wiesn-Wochenende.

Hier ist der 15. August ja eher ein stiller Feiertag. Man könnte es auch fad nennen – besonders wenn wettertechnisch die ganzen Schön-Wetter-Aktivitäten, die nie fad werden, ausfallen. Und genau das ist zu befürchten. Nix mit Biergarten, See, Radeln, Open-Air-Kino. Und so werde auch ich es ruhig angehen lassen dieses Wochenende. Urlaub planen. Vielleicht am Sonntag in die Lisboa Bar – hier spielt ab 19 Uhr „Bossa Tres“ (Breisacher Str. 22). Quasi als Entschädigung für einen nicht-stattgefundenen Lissabon-Trip.

Am Freitag aber mache ich Urlaub in München - lasse den Tag erst mal ganz entspannt beginnen und gehe ins Maria zum Frühstücken. Für mich immer noch einer der schönsten Flecken nicht nur im Glockenbach-Viertel, um einfach mal den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen (Klenzestr. 97 ) Und irgendwann werde ich dann weiterbummeln zur Götterspeise (Jahnstr. 30) - ein bisschen Schokolade kaufen, um dann ausgerüstet zu sein für das Wochenende. Da gehe ich nämlich ins Kino: "Charlie und die Schokoladenfabrik". Mit Johnny Depp, die Vorlage von Roald Dahl, verfilmt von Tim Burton. Das ist genau das richtige für ein herbstlich anmutendes Sommerwochenende.


Dieses Wochenende...

...werde auch ich die Stadt verlassen – wie alle. Allerdings ohne mich in die Staus auf den Autobahnen Richtung Urlaub einzureihen. Nein, ich fahre nur nach Landshut. Meine Freundin Steffi erfüllt sich dort unser aller Mädchenträume und wird oben auf der Burg Trausnitz heiraten. Von Papas Prinzessin zur Königin der Herzen – jedenfalls eines bestimmten Herzens. Ich bin sicher, es wird ein wunderbares Fest werden. Obwohl das Brautpaar im August wohl mit etwas wärmerem Wetter gerechnet hätte (wie wir alle).

Aber das Wetter ist ja gar nicht das wesentliche für eine gelungene Hochzeit. Das entscheidende, und das kann ich nach jahrelangem Hochzeitsmarathon sagen, ist das Zusammenspiel vieler Kleinigkeiten. Auf den Punkt gebracht: die Liebe, mit der man die Hochzeit vorbereitet. Die Details müssen stimmig sein: die Location schön, das Essen und der Wein gut, die Musik passend – und ständige Querulanten hoffentlich schon im Vorfeld ausgeschaltet. Und ob das dann eine Hochzeit im Schloss mit 200 Gästen in großer Robe oder eine kleine Hochzeit mit geringem Budget ist, egal – beides kann eine Traumhochzeit sein.

Wichtig ist, dass dieser Tag zu einem persönlich passt. Nicht zu den Eltern, sondern zu einem selbst. Und je mehr man deshalb selbst vorbereitet hat, je persönlicher das Fest also wird – umso schöner wird es. Und damit allen Brautpaaren: Alles Gute und ein schönes Fest!

Apropos persönlich – hier mein Tipp für das Wochenende in München: Schau’n Sie doch mal wieder beim Vogler vorbei (damit sich wenigstens einer über den verregneten Sommer freut): Am Freitag spielt dort ab 21 Uhr das Johannes Faber Quartett mit der Saengerin und Pianistin Karen Edwards. Ich muss ja zugeben: Ich habe ein Faible für Jazz-Trompeter – sie sind in meinen Augen fast so sexy wie Klarinetten-Spieler. Und Johannes Faber spielt wirklich ganz wundervoll. Anhören und einen Cantalupi dazu trinken! Am Samstag dann können Sie eine von Thomas Voglers Lieblings-Formationen hören: Es ist Latin-Nacht mit „Buena Vida“. Auch hier Beginn 21 Uhr - Eintritt 6,- Euro! Wo: Jazzbar Vogler, Rumfordstraße 17.